anzeiger

Donnerstag, 9. September 2010

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Lupe

Forrer Nöldi

Leiden für den Königstitel

Den zweiten Königstitel am Eidgenössischen in Frauenfeld zu erschwingen ist das grosse Ziel von Forrer Nöldi. Davon lässt er sich auch nicht durch seine schwere Verletzung abbringen.

von Rolf Häberli

Typisch für den unerschütterlichen Optimismus von Forrer Nöldi ist folgende Begebenheit: Am St. Galler Kantonalen Schwingfest in Engelburg am 30. Mai traf er im ersten Gang auf Strupler Manuel. Erst vier Sekunden waren vergangen, da riss Forrer das rechte hintere Kreuzband. Dies bedeutete das sofortige Ausscheiden und aller Voraussicht nach auch das Aus fürs Eidgenössische Schwingfest in Frauenfeld vom 21. und 22. August.

Doch bereits zehn Minuten nach der Verletzung stand für ihn schon fest: «Ich werde in Frauenfeld dabei sein, und zwar nicht als Zuschauer!» Seine Zuversicht schöpfte er aus der Erfahrung vor fünf Jahren. Damals hatte er sich die gleiche Verletzung am linken Knie zugezogen. Und allen Skeptikern zum Trotz stand er bereits sieben Wochen später wieder im Schwägalp-Schwinget im Sägmehlring und kam bis in den Schlussgang. «Von der jetzigen Verletzung bis zum Eidgenössischen sind es sogar zwölf Wochen», sagt Forrer selbstbewusst. Dreimal pro Woche absolviert er in St. Gallen eine strenge Phy­siotherapie, die manchmal bis zur Schmerzgrenze geht. Der ­anzeiger war am letzten Mittwochnachmittag dabei, als Forrer durch den Physiotherapeu- ten Christian Gutgsell von der «Klinik im Zentrum» zwei Stunden lang «drangenommen» wurde.

anzeiger: Nöldi Forrer, wie passierte die Verletzung?

Nöldi Forrer: Am St. Galler Kantonalfest in Engelburg kämpfte ich im ersten Gang gegen Ma­nuel Strupler. Nach vier Sekunden passierte es. S hät en Chlapf tue, wie wenn en morsche Ast bricht. Beim Röntgen in der Röhre stellte Doktor Pierre Hofer fest, dass das rechte hintere Kreuzband gerissen und das Innenband angerissen ist.

anzeiger: Wie stehts zurzeit mit der Verletzung?

Forrer: Den Umständen entsprechend geht es mir gut. Natürlich wäre ich um einiges unbeschwerter, wenn ich nicht verletzt wäre. Doch diese Verletzung ist jetzt einmal passiert, ändern kann ich nichts mehr daran! Ich muss aus dieser Situation das Beste machen.

anzeiger: Sind Sie am Eidgenössischen Schwingfest in Frauenfeld dabei?

Forrer: Wenn man einmal Schwingerkönig gewesen ist, dann möchte man die Krone schon wieder holen! In der Re­habilitation mache ich schöne Fortschritte, das Aufbautraining verläuft nach Plan. Die positi- ven Erfahrungen mit der Knie­verletzung vor fünf Jahren ge- ben mir die Überzeugung, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

anzeiger: Sie zogen sich den Kreuzbandriss im St. Galler Kantonalen Schwingfest gegen Manuel Strupler zu. Geben Sie ihm Schuld an der Verletzung?

Forrer: Nein, ganz sicher nicht! Solche Verletzungen können im Schwingsport passieren, dafür kann Manuel nichts. Es war halt Pech im Spiel. Ihn hat die Verletzungshexe vor kurzem so schwer heimgesucht, dass er den sofortigen Rücktritt vom Schwingsport erklären musste.

anzeiger: Warum nehmen Sie all die Strapazen in der Physiotherapie und im Training auf sich, damit Sie in Frauenfeld antreten können?

Forrer: Den Königstitel zu erringen ist absolut das Grösste, das es in unserm Sport zu erreichen gibt. Ich möchte unbedingt den Titel nochmals erobern. Durch die Wettkampfpause bin ich so richtig giggrig aufs Eidgenössische.

anzeiger: Ihr Paradeschwung ist der Kreuzgriff-Gammen. Dieser Schwung belastet das Knie jedoch sehr stark. Bedeutet das nicht ein grosses Handicap beim Wettkampf?

Forrer: Ich bin ein Vollblutsportler. Im Wettkampf kenne ich keine halben Sachen, hier gebe ich immer Vollgas. Ich habe es «cheibe Glück», dass ich solche Sachen gut wegstecken kann.

anzeiger: Wie kommt es, dass Sie wie Schwingerkollege Jörg Abderhalden von Sportarzt Pierre Hofer vom «Klinik im Zentrum» in St. Gallen behandelt werden?

Forrer: Das ist reiner Zufall. Weil ich bei meinem Unfall in Engelburg die Nummer von Verbandsarzt Franz Lauener nicht zur Hand hatte, telefonierte Journalist Fritz Bischoff Doktor Hofer, so kam der Kontakt zustande.

anzeiger: Sie sind gelernter Käser mit Meisterprüfung. Im Mai haben Sie eine neue Stelle bei der Micarna in Bazenheid angetreten. Was macht ein Käser bei einem Fleischverarbeiter?

Forrer: In der Micarna bekam ich die Chance, mich beruflich weiterzuentwickeln, und zwar im Bereich Verkauf und Marketing. Zurzeit absolviere ich eine Einführung. Die Arbeit macht mir viel Spass.

anzeiger: Bestreiten Sie vor Frauenfeld noch einen Ernstkampf?

Forrer: Der Bachtel- und der Rickenschwinget vom Wochenende kamen für mich noch zu früh. Doch am 8. August steht als Hauptprobe vor dem Eidgenössischen der Schwägalp-Schwinget auf dem Programm.n

Nöldi Forrer: www.noeldiforrer.ch, Eidgenössisches Schwingfest:www.frauenfeld2010.ch

Zur Person
Forrer Nöldi
Geboren am

7. Oktober 1978

Wohnort

Stein im Toggenburg

Beruf

Käsermeister, arbeitet seit Mai 2010 im Fleischverarbeitungsbetrieb Micarna in Bazenheid in Verkauf und Marketing

Grösse

194 cm

Gewicht

118 kg

Schuhnummer

52

Sportliche Karriere

Forrer ist wie der dreifache Schwingerkönig Jörg Abderhalden aus Nesslau Mitglied des Schwingclubs Wattwil. Schon mit neun Jahren fing Forrer mit dem Schwingen an. Errang bisher 94 Kränze und

32 Kranzfestsiege (Stand Ende 2009). Die grössten Erfolge: 2001 Schwingerkönig in Nyon, Siege im Schwägalp-Schwinget 2001, 2004 und 2009. Verletzte sich am St. Galler Kantonalen Schwingfest in Engelburg am 30. Mai (Riss des rechten hinteren Kreuzbandes).

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