Interview: Christa Hürlimann
anzeiger: Amanda Ammann, sind die Blasen verheilt, der Muskelkater überwunden?
Amanda Ammann: Muskelkater hatte ich nur einen Tag lang, beim Abstieg. Ansonsten bin ich verschont geblieben, auch während der anschliessenden Safari und des Besuchs im Hospital. Erst auf der Rückreise habe ich eine Grippe eingefangen (hustet).
anzeiger: Laut dem Romanshorner Hackbrettspieler Nicolas Senn, der sich ebenfalls am Projekt beteiligte, sind Sie fit wie ein Turnschuh. Haben Sie für die Expedition speziell trainiert?
Ammann: Nicht wirklich, obwohl ich es mir vorgenommen hatte. Um den Kilimanjaro bezwingen zu können, muss man einfach fit sein und gesundheitlich «zwäg». Ob man es bis zum Gipfel (5895 m ü.M.) schafft oder nicht, hängt nicht von der Kondition ab, sondern davon, ob man die Höhe verträgt. Es sind auch schon Marathonläufer am Kilimanjaro gescheitert.
anzeiger: Welches war der schönste Moment auf der sechstägigen Wanderung?
Ammann: Als wir bei Sonnenaufgang nach sechsstündigem Aufstieg auf dem Gipfel ankamen. Das war extrem schön, diese Aussicht auf die Gletscher und das Lichtspiel!
anzeiger: Dachten Sie nie: «Ich mag nicht mehr!»?
Ammann: Doch, während des letzten Aufstiegs in der Nacht fragte ich mich, warum ich mir das antue. Man kriegt so wenig Luft, und man kann alles nur im Zeitlupentempo machen.
anzeiger: Entsprechend schafften es nicht alle von Ihrer Gruppe bis ganz oben.
Ammann: Ja, Initiant Stephan Holderegger musste bereits nach der zweiten Etappe aufgeben (siehe Randspalte rechts), und auch meine Eltern kehrten vorzeitig ins Tal zurück. Sie litten wie viele andere unserer Gruppe an der Höhenkrankheit.
anzeiger: Wie äussert sich diese?
Ammann: Man hat Kopfschmerzen, muss erbrechen, torkelt umher; es geht einem richtig mies.
anzeiger: Als Miss sind Sie perfektes Styling gewohnt. Wie war es für Sie, mit einfachsten Mitteln zu leben – und während der grossen Anstrengung auch noch dauernd fotografiert zu werden?
Ammann: Ich bin mich so gewohnt daran, fotografiert zu werden – das war mir egal. Da oben sieht niemand besser aus!
anzeiger: Haben Sie unterwegs am Kilimanjaro viele Leute getroffen?
Ammann: Wir waren ja selbst eine grosse Gruppe mit 27 Personen. In den Lagern hatte es immer viele Leute, aber unterwegs am Berg trafen wir selten andere.
anzeiger: Wie war das Verhältnis in der Gruppe, gerade auf den anspruchsvollsten Teilen der Route?
Ammann: Es war eine megacoole Gruppe, wir hatten es super! Unterwegs ergaben sich gute Gespräche, aber auf den anstrengendsten Abschnitten redete man nichts mehr, das raubte zu viel Energie.
anzeiger: Ihr wertvollster Tip für «Kilimanjaro-Gewillte»?
Ammann: Unbedingt von unten an langsam gehen, tief atmen und möglichst wenig reden! Die meisten starten viel zu schnell, dabei sollte man von Anfang an Energie sparen.
anzeiger: Welcher Berg ruft Sie als nächster?
Ammann: Es war megaläss, aber nichts zum Erholen – die nächsten Ferien werden definitiv gemütlicher!n
Ziel der Expedition «hoch hinaus» war, Spenden für das Rhein-Valley Hospital in Nakuru (Kenia) zu sammeln. Dieses wird von«Mama Matata» Ruth Schäfer geführt, der Lebenspartnerin von Stephan Holderegger, der das Spital und nun die Kilimanjaro-Expedition initiierte. Das «medizinische Wunder» Holderegger leidet seit seiner Kindheit an Zystischer Fibrose und ist zudem seit zehn Jahren Träger einer Spenderlunge. Nach seinem letzten Versuch, bei dem er es bis zum Gilmans Point 200 Meter unter dem Gipfel schaffte, wollte er es nun gemeinsam mit Ärzten und Freunden bis zur Spitze des Kilimanjaros auf 5895 m ü.M. schaffen. Dies blieb ihm verwehrt: Weil er vor der Abreise an einem Infekt erkrankte, musste er bereits nach der zweiten Etappe aufgeben. Doch das Hauptziel, mit der Expedition das Hospital zu unterstützen, wurde erreicht: Auch dank der Beteiligung der beiden beliebten jungen Ostschweizer Persönlichkeiten Amanda Ammann und Nicolas Senn wurde dem Projekt viel Aufmerksamkeit zuteil,
so dass unter dem Slogan «JederHöhenmeter zählt» bis jetzt über 20 000 Franken zusammengekommen sind. Und man kann natürlich weiter spenden:Verein Rhein-Valley Hospital,Kasambara-Gilgil Kenia,PC: 90-113180-3,Vermerk: «hoch hinaus»
Weitere Infos zum Projekt und
zum Hospital gibt es im Internet:www.hochhinaus.org
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