von Daniela Huijser
Dieses Leben bietet den idealen Stoff für einen gefühlvollen Heimatfilm: Der Bergbauernbub Hansi Hinterseer wächst auf der Alm bei den Grosseltern auf, ohne Fernseher und elektrisches Licht. Mit den Skiern fährt er zur Schule, zeigt dabei aussergewöhnliches Talent (sein Vater war 1960 Olympiasieger im Slalom geworden) und wird bereits mit 14 in die österreichische Ski-Nationalmannschaft aufgenommen. Erste wichtige Rennen enden mit dem Sieg.
Wie bei jedem guten Drehbuch unerlässlich, folgt auf so viel Schönes ein Tief: die Olympischen Spiele in Innsbruck 1976. Hansi Hinterseer erfüllte die hohen Erwartungen nicht, wurde von den Fans beschimpft und ausgepfiffen. «Das hat fürchterlich wehgetan», sagt er heute. Er flüchtete nach Amerika und fuhr dort Profirennen. Doch die Sehnsucht nach der Heimat war zu gross – der Tiroler kam zurück nach Kitzbühel. Der Rest ist Geschichte: Hinterseer, der gelegentlich im privaten Kreis musizierte und sang, wurde von seinem Freund, dem Musikproduzenten Jack White eingeladen, eine Platte aufzunehmen. «Die hat sofort bombig eingeschlagen, dann kam der erste grosse Hit ‹Du hast mich heut noch nicht geküsst› – und ich hab seither das Glück halten können, vor allem dank meiner treuen Fans», sagt Hinterseer. Und dank der Liebe und Unterstützung seiner Ehefrau Romana. 1983 lernte er die attraktive Tessinerin in Gstaad kennen und verliebte sich sofort in sie. Diese Liebe hält bis heute an, mittlerweile schreibt Romana sogar gelegentlich Songtexte für ihren Hansi. Auf Tournee geht der immer gut gelaunte Sänger aber allein; dafür hat er den intensiven Tourplan (52 Konzerte in zweieinhalb Monaten) einmal unterbrochen und im Februar eine Woche Ferien mit Romana verbracht, «natürlich zuhause in Kitzbühel», wie er uns bei unserem Telefoninterview erzählt – während der Tourbus hunderte Kilometer quer durch Deutschland zum nächsten Auftrittsort fährt.
anzeiger: Herr Hinterseer, Sie stehen jeden Abend auf grossen Bühnen, fahren tagsüber stundenlang im Bus zum nächsten Auftrittsort: Wie halten Sie sich fit und motiviert während Ihrer Jubiläumstour?
Hansi Hinterseer: Körperlich fit halte ich mich mit Radl fahren, ein wenig Fitnessstudio – das ist reine Disziplinsache. Zudem bin ich sehr froh, dass meine Band «Tiroler Echo» und auch die Techniker genauso denken wie ich und die gleichen Ziele haben; wir sind alle eine grosse Familie und haben eine gute Kameradschaft. Das macht bezüglich Motivation sehr viel aus.
anzeiger: Wie schauts bei Ihnen als ehemaligem Spitzensportler aus mit der Ernährung während der Tour?
Hinterseer: Da achte ich eigentlich nicht speziell drauf. Wir haben unseren eigenen Koch mit dabei, der uns bestens verwöhnt.
anzeiger: Was ist Ihre Lieblingsspeise?
Hinterseer: Da gibts vieles: Ein gutes Steak, Mozzarella, Obst – je nachdem.
Seit vielen Jahren werden Sie von der Formation Tiroler Echo begleitet – was bedeutet Ihnen die Band?
Hinterseer: Ich schätze sie sehr als Menschen und als grossartige Musiker. Ich kann mich hundertprozentig auf meine Männer verlassen, zwischen uns herrscht eine schöne Harmonie, denn sie denken gleich wie ich. Ich bin sehr froh, dass sie gerne mit mir auf Tournee gehen.
anzeiger: Es sind für Sie also wichtige Vertrauenspersonen?
Hinterseer: Unbedingt! Man muss sich verstehen. Denn wenn ich auf der Bühne stehe und lache und lustig bin – und hinter mir, da würde es kriseln, das wär nicht gut. Deshalb muss man sich mit den Menschen verstehen, mit denen man lange zusammenarbeitet. Und trotzdem ist es wichtig, eine Privatsphäre zu haben, dass ich mich zurückziehen kann. Im Bus hat jeder seinen Bereich, wir können aber auch gemeinsam Karten spielen oder Fernseh schauen.
anzeiger: So wie die Gemeinschaft bei euch gepflegt wird, ist der Star Hansi Hinterseer wohl keine Primadonna?
Hinterseer: Nein! (lacht) Bin ich noch nie gewesen! Mir ist der Erfolg nie zu Kopf gestiegen.
anzeiger: Hansi Hinterseer ist ein Star zum Anfassen – Ihnen ist der Kontakt zu den Fans sehr wichtig, da müssen Sie immer gut drauf sein. Gibts nicht manchmal Muskelkater vom vielen Lächeln?
Hinterseer: Nein, ich bin eigentlich so gut gelaunt geboren; mir gehts gut. Aber ich bin mir bewusst, dass das, was ich mache, keine Selbstverständlichkeit ist. Denn wenn meine Fans einmal sagen würden: «Hinterseer, nun ists genug», dann wäre meine Karriere zu Ende. Ich habe eine Gabe, die ich weitergeben kann. Die Menschen fühlen sich wohl bei mir. Sie kommen zu mir zur Fanwanderung, zur Fanreise, zu Konzerten. Ich muss dabei aber authentisch sein. Würde ich die gute Laune spielen, würden die Fans dies sofort merken.
anzeiger: Sie lassen die Fans ja sehr nahe an sich heran, sei es bei der jährlichen Fanwanderung am Kitzbüheler Hahnenkamm oder bei der Fanreise nach Tunesien. Bringt Ihnen diese Nähe etwas?
Hinterseer: Meine Fans haben den Wunsch, mit mir zusammen zu sein. Und ich habe von Anfang an gesagt: «Leute, ich bin da für euch, aber ihr müsst mir auch meine Privatsphäre lassen.» Und das hat immer gut funktioniert. Die Menschen wissen, dass ich gerne für sie da bin, lassen mir aber auch meine Freizeit. Deshalb mache ich solche Reisen auch. Hätte ich keine Minute mehr für mich oder meine Familie, dann hätten wir Probleme. Aber so ists ein schöner Urlaub zusammen. Und für mich ists wie ein kleines Dankeschön.
anzeiger: Ist es Ihnen ein Anliegen, Ihre Fans näher kennenzulernen, zu erfahren, was sie bewegt?
Hinterseer: Also, ich mache ja keine psychologischen Stunden, und nicht jeder kann mit mir reden, wenn 10 000 mit mir wandern. . .
anzeiger: Über welche Dinge macht sich ein Hansi Hinterseer Sorgen?
Hinterseer: Ach, was soll ich da jammern oder mich öffentlich äussern. . . Ich versuche, so gut als möglich zu leben, zusammen mit meiner Familie das Leben zu geniessen. Vielleicht könnten sich die Menschen untereinander auch ein bisserl besser verstehen, wenn sie sich mehr bewusst wären, dass sie ja nur sieben oder acht Jahrzehnte leben. Also nicht immer «mehr und mehr, Gier und Neid», sondern das Beste aus dem Leben machen sollten.
anzeiger: Sie tragen meistens ein Kreuz um den Hals; was bedeutet Ihnen der Glaube?
Hinterseer: Sehr viel. Ich bin katholisch, glaube an Gott und das tut mir gut. Der Glaube gibt mir Kraft. Ich brauch aber nicht darüber zu reden. Jeder Mensch hat seine eigene Art zu glauben.
anzeiger: Sie hatten kürzlich Ihren 56. Geburtstag – sind Sie eitel?
Hinterseer: Ja, ich glaube, jeder Mensch ist auf seine Weise ein wenig eitel. Ich stehe aber nicht eine halbe Stunde vor dem Spiegel, bei mir geht das zackzack!
anzeiger: Was für Wünsche oder Pläne haben Sie für die Zukunft?
Hinterseer: Das Wichtigste ist, dass wir gesund bleiben. Ansonsten wünsche ich mir einfach mehr vom Gleichen: Musik machen, Konzerte geben, Filme drehen. . .n
Für das Konzert vom 13.3., 20 Uhr, in Kreuzlingen verlost der anzeiger 3 x 2 Tickets. E-Mail bis 12.3., 13 Uhr, an wettbewerb@anzeiger.biz, Betreff «Hansi». Vorverkauf: www.ticketcorner.ch
2. Februar 1954, in Kitzbühel
Kitzbühel
verheiratet mit der Schweizerin Romana, zwei erwachsene Töchter
Der gelernte Einzelhandelskaufmann zeigte schon als Kind ein Talent fürs Skifahren. 1969 wurde
er ins Kader des Österreichischen Skiverbands aufgenommen; 1973 gewann er den Riesenslalom-Weltcup. Nach einer enttäuschenden Teilnahme an den Olympischen Spielen in Innsbruck (1976) gewann er 1977 letztmals einen Riesenslalom (in Japan). Nach einigen Jahren als Profiskiläufer in der U.S. Pro Ski Tour beendete er 1983 seine sportliche Laufbahn. 1993 begann Hansi Hinterseer auf Anraten des Produzenten Jack White seine steile Karriere als Volksmusiksänger und hat seither über fünf Millionen Tonträger verkauft.
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