Ueli Daepp
Zwischen Zügelkartons bahnt sich Daniel Imhof einen Weg durch seine Wohnung. Das helle Viereinhalb-Zimmer-Appartement in einem ruhigen Gossauer Mehrfamilienhaus-Quartier ist sein neues Daheim.
Ehefrau Pamela ist mit den beiden Kindern kurz weggefahren. Sie bringt die Kinder Ashlee (2) und Liam (4 Monate) zu Verwandten, um sich danach ungestört um die Wohnungseinrichtung kümmern zu können. Diese ist noch verpackt in Zügelschachteln – nur die Pässe, das Alphorn und Daniels Trainingsutensilien liegen schon ausgepackt auf dem Stubentisch.
Der neue Mittelfeldspieler des FC St. Gallen erlebt turbulente Tage. Am 14. Januar unterschrieb er den Vertrag mit dem FCSG. Dann galt es das Wohnhaus am Stadtrand von Dortmund zu räumen, die gesamte Habe nach Gossau zu zügeln. Und jetzt die neue Wohnung einzurichten. Nebst der Aufgabe, für die beiden lebhaften Kleinkinder zu sorgen und beim FC St. Gallen volle Leistung zu zeigen – ein ordentliches Pensum. Zum Glück verfügt der Schweiz-Kanadier über gute Nerven – und strahlt selbst in turbulenten Situationen noch Ruhe aus.
«Meine Frau und ich können noch gar nicht richtig glauben, dass wir wieder da sind!», sagt Imhof mit einem Lächeln. Zwar hat er sich schon immer gewünscht, nochmals in die Ostschweiz zurückzukehren. «Doch dass es so schnell geht, hätte ich nicht gedacht!»
Die Ostschweiz ist Imhofs zweite Heimat. In Altenrhein lebte er bis zum Alter von vier Jahren; danach wanderte die Familie nach Kanada aus, wo der Vater als Buschpilot tätig wurde. Imhof kehrte 1998 zurück nach Wil, um sein Glück im Profifussball zu suchen. Später wechselte er zum FC St. Gallen und wurde mit diesem vor zehn Jahren Schweizer Meister. In dieser Zeit lernte er auch seine Frau Pamela, die aus Trogen stammt, kennen. Im Club Elephant in St. Gallen. «Ich gehe sehr selten aus», betont der seriöse Fussballer, doch damals sei die ganze Mannschaft ins «Elephant» gegangen. 1996 heirateten Pamela und Daniel in Gähwil.
Die letzten knapp fünf Jahre spielte Daniel Imhof beim deutschen Bundesligaverein VfL Bochum. Bis vor wenigen Monaten war er Stammspieler. Sein «Ziehvater» und Trainer Marcel Koller hatte ihn nach Bochum geholt. Doch Koller wurde im Herbst entlassen, und mit dem neuen Bochum-Trainer Heiko Herrlich hatte Imhof bald Meinungsverschiedenheiten. Der Grund dafür? Die Taufe von Imhofs Sohn Liam!
Der Trainer war sauer auf ihn, weil er beschlossen hatte, an einem spielfreien Wochenende seinen Sohn in der Schweiz taufen zu lassen. Das Ehepaar Imhof wollte Liam in der Kirche St. Iddaburg in Gähwil taufen – dort, wo das Paar 1996 getraut wurde. Zwei Tage vor dem Tauffest setzte Imhofs Trainer kurzfristig ein Trainingsspiel an und verlangte, dass der Spieler anwesend sei. So flog Imhof zwischen dem Tauffest ans Trainingsspiel zurück nach Bochum und dann wieder zurück in die Schweiz. Der Trainer bezeichnete Imhof daraufhin als «nicht teamfähig». Er rügte, dass der Spieler sein familiäres Interesse über die Interessen des Clubs gestellt hatte. Für den als topseriös bekannten Imhof war das ein Hammer. «Von da an gabs persönliche Differenzen.» Die Folgen waren schwerwiegend: Der Mittelfeldspieler durfte nicht mehr spielen, wurde kurzerhand auf die Zuschauertribüne verbannt. Imhof betont, dass ihm der Trainer «gute Trainingsleistungen» attestierte. Der Grund für seine Zwangsversetzung auf die Tribüne sei einzig und allein die Taufe gewesen.
Beim FC St. Gallen reagierte man auf Imhofs unglückliche Situation rasch. Allen voran warb FCSG-Verwaltungsrat Marco Zwyssig, der einst mit Imhof den FCSG zum Meistertitel führte, um den Spieler. Imhof zögerte zuerst, doch weil er mit diesem Trainer keine Zukunft in Bochum sah, entschied er sich für die Rückkehr. «Ich hatte geplant, noch ein halbes Jahr länger in Bochum zu bleiben, doch ich komme gerne zurück», sagt Daniel Imhof dem anzeiger. Die Ostschweiz sei seine zweite Heimat, hier habe es ihm immer gefallen.
Im Ruhrpott sei das Leben hektisch, sagt er. Die vielen Menschen, Schmutz und der extrem grosse Verkehr bereiteten ihm Mühe. «Hätte ich Pamela nicht bei mir gehabt – ich wäre wohl nicht lange im Ruhrpott geblieben.» Sein Herz habe auch nach seinem Wechsel in die Bundesliga für den FC St. Gallen geschlagen, erzählt der Rückkehrer. Wöchentlich verfolgte er im Internet die Resultate seines früheren Clubs. Und er erinnert sich, wie er «Hühnerhaut bekam», als er übers Radio vom Aufstieg des FCSG in die Super League erfuhr.
Am liebsten würde der Schweiz-Kanadier noch ein paar Jahre in der Ostschweiz Fussball spielen und dann mit seiner Familie nochmals umziehen: nach Kanada. Sein Vater betreibt dort ein Geschäft als Buschpilot in Smithers (British Columbia). Er fliegt Fischer und Abenteurer auf einsame Inseln. Vielleicht wird Daniel auch einmal Buschpilot. Den Pilotenschein besitzt er zwar noch nicht, die Gabe, bei Turbulenzen den Überblick zu bewahren, hingegen alleweil. ■
FC St. Gallen – FC Sion, 6.2., 17.45 Uhr, AFG Arena.
22. November 1977
Wil
verheiratet mit Pamela, Kinder Ashlee (2) und Liam (4 Monate)
Bulkley Valley Blast
1997–1998 University of Victoria
1998–1999 FC Wil
2000–2005 FC St. Gallen
2005–2009 VfL Bochum
War Mitglied der kanadischen Nationalmannschaft (35 Spiele), trat zurück aufgrund der zu grossen Belastung.
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