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Donnerstag, 9. September 2010

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Lupe

Kuno Schedler und Urban Schönenberger

Gallig

mit einem Schuss Lyrik

Giftige Sprüche mit feinen Zwischentönen – als ­Gallyriker unterhalten der Chemiedozent im Ruhestand und der New-Public-Management-Guru der Schweiz die Schnitzelbankfans in den St. Galler Beizen.

von Daniela Huijser

Der grosse Küchentisch ist mit vielen weissen Zetteln bedeckt, alle sind voller Bleistiftnotizen – Kuno Schedler und Urban Schönenberger knobeln an ihren Schnitzelbank-Sprüchen, die sie demnächst als die «Gallyriker» in St. Galler Beizen vortragen werden. Zum Glück dauerts noch einige Tage bis zum Schmutzigen Donnerstag, denn das Duo ist noch weit vom Ziel entfernt, ein Dutzend witziger, kritischer, treffender Reime komponiert zu haben.

Urban Schönenberger, Gründungsmitglied der «Gallyriker», nimmts gelassen, er kann auf rund 25 Jahre Schnitzelbank-Erfahrung zählen und weiss, dass die Sprüche am Schmutzigen Donnerstag fertig sein werden. «Und dann haben wir am Nachmittag noch Zeit, die Texte zu proben, bevors am Abend in die Beizen geht», sagt der ehemalige Chemiedozent der PHSG, der seit kurzem im Ruhestand ist.

Veranlagung für Verse

Schwache Nerven zeigt auch sein Fasnachtspartner Kuno Schedler keine – dafür gibts dann vor dem ersten Auftritt am Donnerstagabend noch genügend Gelegenheit. Der Professor für Public Management an der Uni St. Gallen und Leiter des Instituts für öffentliche Dienstleistungen und Tourismus entdeckte bereits während des Studiums sein Flair fürs Reimen. «In unserer Verbindung, der Corona Sangallensis, lernte ich Verse schreiben», sagt der 49jährige Familienvater. Ein wenig Veranlagung gehörte wohl auch dazu, denn schon Schedlers Mutter schrieb jeweils Schnitzelbänke für Familienfeste. Und für die Fasnacht konnte er sich als Bub immer wieder aufs Neue begeistern – allerdings jahrelang im gleichen Kostüm: «Zorro war meine absolute Lieblingsmaske! Später, in der Kanti, nähte ich mir mein Kostüm dann selber auf Mutters Nähmaschine – ich verkleidete mich als Höhlenbewohner», erzählt Schedler lachend.

Jeder Reim auf die Goldwaage

Vor 13 Jahren wurde Schedler von den «Gallyrikern» (damals Urban Schönenberger und Peter Geiger) angeworben, nachdem er mit einem Vers auf sich aufmerksam gemacht hatte. «Urban war auf Anhieb begeistert, doch Peter forderte, dass ich jede Zeile prüfe und keine leeren Worte verwende!» Und so ists heute noch beim Schnitzelbank-Duo; Peter Geiger ist zwar vor elf Jahren ausgeschieden, aber der Anspruch an die Sprüche ist unverändert hoch. «Wir sind gallig, lyrisch, st. gallisch; wir sind giftig, aber mit feinen Zwischentönen», erklären die beiden das gallyrische Profil.

Worüber sie Gift und Galle versprühen, entscheidet das Duo erst kurz vor der Fasnacht. «Das Gedächtnis des Publikums reicht nicht allzu weit zurück, also versuchen wir möglichst aktuell zu sein in unserer Schnitzelbank und konzentrieren uns auf Ereignisse im Januar und Februar», sagt Schedler. Zwanzig Minuten wird das fertige Programm dauern; bis zu elf Auftritte gibts an jedem Abend. Die «Gallyriker» sind froh, dass in den Beizen nicht mehr geraucht wird – so bleiben sie bis zum Ende der Fasnacht bei Stimme. Dann treffen sich mitten in der Nacht auf den Aschermittwoch alle Schnitzelbänkler im «National» und höckeln und plaudern, bis ihnen fast die Augen zufallen. «Sonst sehen wir uns während der ganzen Fasnacht nie, denn in den Restaurants geben wir uns jeweils die Klinke in die Hand», erzählt Kuno Schedler.

Unterm Jahr begegnen sich die Fasnachtsbutze aber regelmässig: Jedes Restaurant, in dem sie auftreten, lädt die Schnitzelbänkler einmal im Jahr zum Znacht ein. Das sei ihr Honorar, sagt Schönenberger. «Denn anders als bei den Baslern gibts für uns kein Geld.»

Bevor Schedler und Schönenberger aber über ihren «Lohn» nachdenken können, müssen sie jetzt erst einmal etwas leisten. Die Zeit drängt, umso mehr, als die Familie Schedler noch eine Woche in die Winterferien verreist. «Aber unter Druck arbeiten wir besser», versichern sie uns mit einem Lachen – und dann gehts zurück zu den Zettelbergen auf dem Küchentisch.n

Amuse bouche

D’Chinese hends jetz au gmerkt: Google ghört am CIA!

Mer mös drom gäg dä Street View endlech näbis onderneh

Vebütä, schint üs beidne, seg doch öber s’Ziil us gschossä

Mer hend scho früener im Chincilla – e Gurgel-Strip-View gnossä

Gallyriker

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