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«Fifty Lüchi» rockt die Super League


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Nach zwei Saisons auf Leihbasis in der Challenge League beim FC Chiasso spielt Nicolas Lüchinger seit Sommer 2016 für Sion in der Super League.



Er hatte Offerten von beiden Vereinen, doch das St. Galler «Eigengewächs» Nicolas Lüchinger hat sich für Sion statt für den FCSG entschieden. Den Wechsel ins Wallis hat der junge Oberrieter nicht bereut.

Andreas Ditaranto/Bilder: Peer Füglistaller

Nicolas Lüchinger hätte das Zeug gehabt, um beim FC St. Gallen zur Identifikationsfigur zu werden: Als Talent beim FC Montlingen und im Team Rheintal-Bodensee entdeckt, durchlief der heute 22-Jährige die Ausbildung beim FCSG-Nachwuchsprojekt «Future Champs Ostschweiz»; (Zwei-)Kampfstärke, Technik, Spielintelligenz, Team­spirit, Geschwindigkeit, Ausdauer und Laufbereitschaft («kein Meter ist mir zu weit») zeichnen den rechten Verteidiger aus. Der Oberrieter, der früher als Bub mit seinem Vater regelmässig im Espenmoos mit den Grün-Weissen mitfieberte, sieht sich denn auch selbst als «Power-Fussballer» – ein junger Mann mit gesundem Selbstvertrauen auf dem Feld und mit einem sympathischen, zugänglichen Charakter neben dem Platz. 


Bei Chiasso in der Challenge League


Doch beim FC St. Gallen schaffte es «Lüchi» nur bis in die Promotion League, die Chance, in der höchsten Liga zu spielen, erhielt der junge Rheintaler nicht. «Je länger ich trotz guter Partien für die U21 vergeblich auf einen Einsatz in der ersten Mannschaft hoffte, desto unzufriedener wurde ich», sagte Lüchinger vor zwei Jahren beim Interview mit dem anzeiger in Chiasso. An den Challenge-League-Club liehen die Ostschweizer «ihren» Verteidiger aus, rund 50 Spiele in zwei Saisons bestritt der Oberrieter für den FC Chiasso, wo er vom Stammspieler zur Leaderfigur avancierte. «Ich wollte immer zum FC St. Gallen, aber ich will nicht in der U21 versauern», betonte Lüchinger im April 2015.


Der Vertrag mit den Espen lief im Sommer vergangenen Jahres aus. Die Option auf eine Verlängerung (wohlgemerkt diesmal mit Einsätzen in der ersten Mannschaft des FCSG) wäre da gewesen, doch «Lüchi» läuft nun in der Super League nicht für seinen einstigen «Stammclub» auf, sondern für den FC Sion. «Es lagen Angebote von beiden Vereinen auf dem Tisch, aber die Sittener offerierten mir das bessere Gesamtpaket», erzählt Nicolas Lüchinger ohne Groll gegenüber seiner grün-weissen «Jugendliebe». Der ehemalige Junior des FC St. Gallen unterschrieb bei den Wallisern einen Dreijahresvertrag bis 2019 – von den dortigen Medien wurde er im Winter bereits als «Entdeckung der Saison» gefeiert.


50 Cent? – 50 Lüchi!


Seine Wunschzahl 13 auf dem Trikot bekam der Ostschweizer beim FC Sion zwar nicht, die war schon vergeben, dafür trägt er stolz die Rückennummer 50: «Ich stehe auf die Songs von ‹50 Cent›, da dachte ich, dann bin ich halt ‹50 Lüchi›», sagt der Verteidiger und lächelt verschmitzt. Clubboss Christian Constantin, der in der Deutschschweiz oft als allzu nervös agierend oder gar cholerisch wahrgenommen wird (38 Trainerwechsel seit seinem Wiedereinstieg in die Vereinsspitze des FC Sion!), hält grosse Stücke auf seinen Neuzugang und hat ihn nach der Absetzung von Coach Didier Tholot am 12. August 2016 fortan in die Stammformation beordert.


«Ich bin Constantin sehr dankbar, dass ich die Chance erhielt. Schliesslich war es von ‹CC› ja doch mutig, auf einen Spieler aus der Challenge League zu setzen. Er steckt sein ganzes Herzblut in den Verein und weiss, wie er mit den Spielern umgehen muss», lobt Lüchinger seinen «Brötchengeber», der dem Team für die Trainings grosszügig sein Hotel in Martigny als Unterkunft zur Verfügung stellt «und jeden einzelnen täglich freundlich begrüsst und nach dessen Befinden fragt».


Europa League und Cupfinal


Auch den mannschaftlichen Zusammenhalt beim FC Sion betont der Rheintaler, der einmal pro Woche mit seinen Mitspielern Mitryushkin, Zverotic und Salatic sowie dem Phisio Fourlakis in Montreux Sushi essen geht: «Wir sind eine Truppe, die zusammenhält und nach Niederlagen nicht lamentiert, sondern gleich wieder aufsteht und weiterkämpft. Trotz einer durchzogenen Rückrunde sind die Sittener auf Europa- League-Kurs und stehen im Cupfinal. «Wir wollen die Saison auf Rang 3 abschliessen und natürlich am 25. Mai im 14. Final für Sion den 14. Cup holen», sagt Nicolas Lüchinger selbstbewusst und lässt keine Zweifel im Hinblick auf den Gegner Basel aufkommen.


«Lüchi» ist richtig «angekommen» im Wallis und schwärmt: «Die Leute sind nett, die Fans klasse, die Stimmung im Tourbillon einmalig – und das Wetter ist noch besser als im Tessin!». Zudem ist er fasziniert von der Gegend und der Natur, von den Walliser Bergen bis zum Waadtland und dem Genfersee. Der Single-Mann mit dem «gesund-braunen» Teint (Nicolasʼ Mutter stammt aus Guadeloupe), der mit seinen zwei Kätzchen KK (Kater Karl) und Lausi im sonnendurchfluteten Weinort Fully wohnt, weiss, was er hat – und weiss, was er noch erreichen kann.


Verbundenheit mit dem Rheintal
 Wann immer Nicolas Lüchinger Zeit hat, fährt er jeweils in seine Heimat im Rheintal nach Oberriet. Seine Eltern wiederum besuchen alle Spiele des FC Sion. Seinen «Wegbereiter» und damaligen Trainer beim FC Montlingen, Beno Tiziani, hat «Lüchi» noch in bester Erinnerung. Als Dank brachte er seinem Ex-Coach sein aktuelles Sion-Trikot persönlich vorbei.


KICK


Am Sonntag, 28. Mai, empfängt der FC St. Gallen im vorletzten Spiel der Saison 2016/17 den FC Sion mit Nicolas Lüchinger. Anpfiff im Kybunpark ist um 16 Uhr.



 

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