anzeiger - das ostschweizer Wochenmagazin

Melancholie im eigenen Takt


Bild zu Artikel: Melancholie im  eigenen Takt

Marc Frischknecht alias «Yes I’m very tired now» möchte mit seiner Musik Emotionen auslösen.



Marc Frischknecht ist längst kein unbeschriebenes Blatt mehr in der Schweizer Musikszene. Seit einigen Jahren wandelt er mit «Yes I’m very tired now» auf Solo-Pfaden und tut das auch mit Erfolg. Nun veröffentlicht der Ostschweizer seinen ersten Longplayer.

Sphärische Beats, verträumte Melodien, eine eindringliche, tiefe Stimme – so klingt die Musik von «Yes I’m very tired now». Hinter dem Pseudonym steckt Marc Frischknecht, der damit nach einigen Jahren in diversen Bands sein Solo-Projekt bestreitet. Von A bis Z schreibt und arrangiert der 35-Jährige seine Songs selbst, und das mit Erfolg, so wird er regelmässig auf SRF 3 und Radio 1 gespielt und gibt im In- und Ausland Konzerte. 


Dass der gebürtige Bischofszeller, der seit zehn Jahren in St. Gallen wohnt, am liebsten für sich alleine an seinen Ideen arbeitet, hat einen einfachen Grund: «Das Song-Schreiben fällt mir so leichter und ich muss nicht auf Mitmusiker Rücksicht nehmen», sagt er. 


Vor allem wenn es darum gehe, neue Sachen auszuprobieren, sei man freier. Während sein Album «Wait» von elektronischer Musik geprägt ist, könne das bei einem nächsten Album auch schon wieder ganz anders sein: «Die Musik muss für mich immer weitergehen», sagt Frischknecht. Schon als Kind hätten ihm seine Eltern dies vorgelebt: Neben Pink Floyd und Black Sabbath hörten sie auch mal Schlager. «Es gab keine Genre- Grenzen.» 


Stiller Beobachter


Ob nun Elektro-Pop, Singer-Songwriter oder Rockmusik, eine Konstante gibt es in Marc Frischknechts musikalischem Schaffen: die Melancholie. Der Ostschweizer, der neben dem Musizieren bei einer Event-Agentur arbeitet, bezeichnet sich selbst als Denker und stiller Beobachter. Die Inspiration zu seiner Musik schöpft er eher aus negativen Erlebnissen. «Ich kann keine Lieder über eine schöne Blume schreiben», sagt er. In seinen Texten verarbeitet der Ostschweizer Persönliches aus dem Alltag oder auch Gesellschaftskritik. Seine Texte sollen Denk­anstösse geben. 


In den vergangenen drei Jahren, die Frischknecht als «Yes I’m very tired now» unterwegs ist, bekam er immer wieder Rückmeldungen von Hörern, die seine Texte in schriftlicher Form haben wollten. Sein erstes Album kommt deshalb, neben einer Vinyl-Version, auch in Form eines CD-Booklets daher, in dem neben einem Download-Code auch alle Texte abgedruckt sind.


Energiegeladene Live-Shows


Auch wenn es Marc Frischknecht «extrem» geniesst, mit seinem Solo-Projekt nach dem eigenen Rhythmus zu gehen, sucht er stets wieder den Austausch mit anderen Musikern – und zwar immer dann, wenn der Ostschweizer live auf der Bühne steht. Während er selbst singt und Gitarre spielt, wird er von einem Schlagzeuger, Bassisten und Synthesizer-Spieler unterstützt. 


Eigentlich sei er im normalen Leben eher ein zurückhaltender Zeitgenosse, doch auf der Bühne ändere sich das, sagt der junge Familienvater. Dort legt Marc Frischknecht eine solche Energie aufs Parkett und spielt mit den Emotionen, dass bei den ersten Shows sogar seine Freunde darüber erstaunt waren. Für den Vollblutmusiker ist jedoch eines sicher: «Erst live kommt die Magie der Musik voll zur Geltung.»


TIPP


Am 26. Mai erscheint das Album «Wait» von «Yes I’m very tired now».
 Mehr Infos auf www.yimvtn.com