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Tierische Stars in der Luft und im Kino


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Die Greifvögel der «Showgruppe» werden täglich trainiert. Sie haben jeweils nur eine Bezugsperson, der sie voll und ganz vertrauen.



Zora und Lucien Nigg haben ihr Leben dem Greifvogelpark Buchs verschrieben. Ihre Tiere stehen bei Flugshows und vor der Kamera sichtlich gerne im Mittelpunkt. Wir haben die stolzen Tiere besucht.

Desirée Müller/Bilder: Benjamin Manser

Uhu Carlos schaut mich neugierig an, neigt seinen Kopf zur Seite und blinzelt ein paar Mal. Ich blinzle freundlich zurück. Plötzlich beginnt er in seinem grosszügigen, mit Bäumen und einem mannshohen Vogelhaus eingerichteten Gehege zu «tanzen» und gurrt dazu eine fröhliche Melodie. Zora Nigg kommt auf den Uhu und mich zu, lächelt voller Vorfreude, öffnet dann die Tür zu Carlos Gehege und begrüsst den zahmen Greifvogel mit ein paar Streicheleinheiten. Er knabbert liebevoll an einem ihrer Finger und setzt dann seinen Eulentanz fort. «Er denkt, ich sei seine Partnerin», erzählt Zora Nigg und lächelt.


In den Bann gezogen


Die gebürtige Serbin reiste in den Achzigern in die Schweiz und verliebte sich in das Land und die Leute. Zwanzig Jahre später lernte die Coiffeuse ihren heutigen Mann Lucien Nigg kennen. Zu Greifvögeln hatte sie bis dahin keinen Bezug. Doch färbte die Leidenschaft ihres Mannes zu den majestätischen Tieren schnell ab, und sie wurde ebenfalls in ihren Bann gezogen. Im Juni 2001 wurde der Greifvogelpark ins Leben gerufen. Die 57-Jährige verbringt viel Zeit mit Uhu Carlos. Seit der Eröffnung des Parks war sie nie länger als zwei Tage von ihm und seinen mittlerweile 190 Vogelfreunden getrennt. Ihrem Mann, Lucien Nigg, geht es genau gleich. Als Kind hätte er immer zu seinen Eltern gesagt, dass er später einmal einen Tierpark besitzen möchte. Sie lächelten herzlich und tätschelten dem kleinen Träumer den Kopf. Den Traum immer im Hinterkopf, macht er die Lehre zum Kaminfeger und unterrichtete später an der Berufsschule. Die spannenden Greifvögel liessen ihm aber keine Ruhe. So absolvierte er die nötigen Kurse, baute ein artgerechtes Gehege und gab einer Eule ein Zuhause. Das Feuer war endgültig geweckt, und der Bestand verhundertfachte sich in den nächsten Jahren. Die Kaminfegerbürste hat er schon lange niedergelegt und widmet sich sieben Tage die Woche voll und ganz seinen Greifvögeln. «Ich weiss gar nicht mehr, wie man Ferien schreibt», erzählt er und zwinkert mir zu. Die Tiere seien ihre Kinder, und die beiden hätten gar nicht das Bedürfnis, ohne sie zu verreisen. 


An der Seite von Kronprinz von Bahrain


«Ohne sie verreisen?», frage ich. Lucien Nigg erzählt mir von den unzähligen Ausflügen, die er mit seinen «Kindern» unternommen hat. Einmal flitzte Waldkauz Josie auf der Mountainbike-Lenkstange eines Snowboardprofis den Hügel runter oder machte im Fernsehstudio auf einem Christbaum sitzend eine gute Falle. Ihr Kollege Himmi, ein Schneegeier, flog bei Theateraufführungen seine Runden über die Bühne. Sogar in Kinofilmen spielten die intelligenten Greifvögel mit. Ein ganz spezielles Erlebnis war die Reise ans World Economic Forum in St. Moritz. Der Kronprinz von Bahrain gab einen Apéro und bat Lucien Nigg, in einem goldenen Gewand mit einem Falken auf seinem Arm immer an seiner Seite zu bleiben. «Unsere Showtiere werden regelmässig von Unternehmen wie Nike oder Swisscom gebucht», erzählt Lucien Nigg. Sobald er merkt, dass es einem Vogel zu viel wird oder er keine Lust mehr hat, vertagt er die Film- oder Fotoaufnahmen. «Die Tiere stehen bei uns an erster Stelle. Immer», betont er. 


Ob die Vögel Freude an der Arbeit ausserhalb des Geheges haben, interessiert mich sehr. «Das A und O ist es, unsere Greifvögel zu ‹lesen›», erklärt er. Damit meint er, die Tiere zu beobachten und jede Bewegung zu verstehen. Meistens hätten ihre Tiere gute Tage, und dann heisst es für Carlos, Josie und ihre Freunde: Ab in die Lüfte!


Die Eulen-Mama


Nicht alle Vögel sind für die «Showgruppe» geboren. Man merke schnell, ob ein Tier wissbegierig und menschenbezogen sei. «Es dauert je nach Tier bis zu fünf Jahre, bis es parat für unsere Flugshow ist», weiss Zora Nigg. Die meisten Tiere sind im Park geboren und kennen Lucien und Zora seit sie aus ihrem Ei geschlüpft sind. Zora Nigg haben es vor allem die Eulen angetan. Von ihren Freunden wird sie «Eulen-Mama» genannt. Die Küken schlüpfen gerne unter ihre grüne Parkweste und kuscheln sich dicht an ihren warmen Körper. Die Nähe zu den Greifvögeln ermöglicht es den Niggs, mit den Tieren zu arbeiten und sie den Besuchern hautnah zu zeigen. Sie engagieren sich sehr für den Artenschutz und sind schweizweit führend in der Nachzucht der oft gefährdeten Greifvögel. «Wir möchten die Besucher auf diese Weise sensibilisieren», erklärt das Ehepaar. 


Der Himmel wird immer dunkler. Ich verabschiede mich schweren Herzens. Als ich im Auto sitze, setzt der Regen ein. Zora und Lucien winken mir zu. Ihnen scheint der Regen nichts auszumachen. Wie sie schon sagten: Für ihre «Kinder» tun sie alles.


Sommersaison ist gestartet
 Der Greifvogelpark Buchs ist von Mittwoch bis Freitag von 10–17 Uhr geöffnet, am Wochenende von 10–18 Uhr. Während der Sommersaison findet die Flugshow am Samstag und Sonntag um 15 Uhr statt. Unter der Woche wird die Flugshow nach Voranmeldung durchgeführt. Es können auch Parkführungen gebucht werden. Buchungen unter: info@greifvogelpark.ch, 081 740 52 01.


TIPP


Am 1. April hat der Greifvogelpark Buchs die Sommersaison eingeläutet.
 Mehr Infos auf www.greifvogelpark.ch



 

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