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«Ich bin ein ganz normaler Familienvater»


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Ob bei Auftritten auf der grossen Open-Air-Bühne oder im kleineren Rahmen – Adrian Stern fühlte sich schon immer wohl unter seinen 
 St. Galler Fans.



Am 30. März spielt Adrian Stern im St. Galler Kugl. Mit der Stadt verbindet er vor allem das OpenAir und eine tolle 


Desirée Müller/Bilder: Mareycke Frehner

Bevor ich den Motor starte, schiebe ich das neue Album von Adrian Stern ins CD-Fach. Meine Mission: ich möchte wissen, wie es klingt, wenn ich die Lieder im Thurgauer Dialekt und nicht im «Aargauischen» lautstark mitsinge. Und siehe da – es klingt ziemlich bescheiden. Eine Stunde später betreten Adrian Stern und ich munter quatschend ein Kaffee in St. Gallen. Seine Gitarre stellt er behutsam in eine Ecke. Ich erzähle ihm von meinem Experiment im Auto. Er sieht es als Aufforderung an und singt in erstaunlich glaubhaftem «Thurgauer-Dütsch» einige Zeilen aus «Ha nur welle wüsse». Natürlich klingt es deutlich besser bei ihm. Dafür könne ich besser schreiben. Hat was – danke! 


Wir bestellen uns einen Kaffee. Schnell reisst er das «Zuckersäckli» auf, lässt das «weisse Gold» auf seinen Kaffeelöffel rieseln und schiebt ihn genüsslich in den Mund. «Das erzähl ich deinen Töchtern», drohe ich lachend. «Die dürfen das auch – ab und zu zumindest», klärt er mich augenzwinkernd auf. Ob er ein «cooler» Papi sei, frage ich ihn. Er versuche es zumindest, sagt er bescheiden. Adrian erzählt mir, dass er und seine Frau zwei seiner Songs zu Gutenachtliedern für ihre zwei Mädchen umgeschrieben hätten. «Im Moment möchten sie, dass ihre Mami sie ins Bett bringt. Nur wenn ich meine Ukulele mitbringe, darf ich am Einschlafritual teilnehmen.» Leonie Mina besucht bereits den Kindergarten. Als Promi-Vater fühlt sich Adrian Stern keineswegs. Die Lehrerin sei schon lange ihre Nachbarin und Elterngespräche somit nichts Besonderes. «Auch die meisten Eltern haben wir schon vor Leonie Minas Eintritt in den Chindi gekannt.» Auf eine Sonderbehandlung in der Schule können die Kleinen somit lange warten. 


Zeit für die Zweisamkeit 


Vor dem Familienzuwachs hatten Adrian und seine Frau Mylen ein fixes Ritual: der Wundertütenabend. Abwechselnd unternahm das Paar etwas, das dem anderen gefällt. «Das verlangt, dass man unter dem Jahr stets gut zuhört und spürt, was der Partner gerne mal machen möchte», erklärt er das Prinzip des liebevoll genannten «Wutüa». Neben dem Familienleben und seiner Musik findet diese Zweisamkeit immer noch Platz. «Am liebsten sind wir spontan. Sobald man etwas lange plant, ist die Wirkung nicht mehr die gleiche. Ich mag das Unerwartete.» Die geplante Tournee lässt sich laut Adrian Stern wunderbar mit der Familie vereinbaren. «Ich bin nie lange weg und komme nach den Konzerten meistens gleich nach Hause.» Mylen begleitet ihn zudem regelmässig bei seinen Auftritten. «Sie verkauft lieberweise die CDs nach dem Konzert. Somit sind wir ein kleines Familienunternehmen», sagt er und lächelt dankbar. 


Mit neuen Klängen experimentieren 


Seine neuen Songs haben immer noch gros­sen Wiedererkennungswert, obwohl sich für Stern untypische Klänge eingeschlichen haben. «Ich habe mich im letzten Jahr intensiv mit der elektronischen Musik ausein­andergesetzt und etwas experimentiert», erklärt er. Bei einem nächsten Album werde er vermutlich wieder auf den vertrauten Stil zurückgreifen. Auch die Texte der Songs haben eine andere Richtung eingeschlagen. «Ich singe über das, was mich zurzeit beschäftigt. Aktuell ist es meine Familie.» 


Job als Schreiner gesucht 


So lange wie möglich auf der Bühne zu stehen, ist nicht Adrians Ziel. «Am liebsten hätte ich eine Teilzeitanstellung als Schreiner und würde nebenher Musik machen», erzählt er. «Ich denke aber nicht, dass mich eine Schreinerei einstellen würde.» Ich biete ihm eine Stelle als Praktikant in der anzeiger-Redaktion an. Gleich setzt er sich gerade hin und schaut mich ernst an. «Dann starten wir mit dem Bewerbungsgespräch», sagt er augenzwinkernd. 


Gutes Gefühl in St. Gallen 


Wir kommen abschliessend wieder auf die Tournée zu sprechen. «In St. Gallen habe ich mich immer schon wohl gefühlt.» Als 15-Jähriger besuchte er erstmals das OpenAir St. Gallen. «Mit meinem Cousin als Aufpasser», lacht Stern. Er träumte zwar davon, irgendwann auf dieser grossen Bühne zu stehen. «Ich habe nie damit gerechnet, dass sich diese Träumerei wirklich erfüllen wird.»


«Die Songs, wo mer liebed»
 Am 30. März kommt Adrian Stern auf seiner Tournée «Chum, mir singed die Songs, wo mir liebed, und tanzed mit ihne dur d’Nacht» nach St. Gallen. Er spielt ab 20 Uhr im Club Kugl. «Fabe Vega» eröffnet den Abend. Tickets und Infos: www.dominoevent.ch.


TIPP


Für das Konzert am 30. März im St. Galler Kugl verlost der anzeiger 3 x 2 Tickets.
 Mehr Infos auf Seite 33



 

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